Literatur: Tschechien zwischen den Zeilen
Literatur: Tschechien zwischen den Zeilen

Literatur: Tschechien zwischen den Zeilen

Frankfurter Buchmesse 2026: Folgen Sie den Spuren tschechischer Schriftsteller

Von Prag über Mähren bis in den Böhmerwald: Entdecken Sie Orte, die tschechische Autorinnen und Autoren inspiriert haben. Tschechien lässt sich nicht nur über seine Burgen, Schlösser, Berge und malerischen Städte kennenlernen, sondern auch durch die Augen seiner Schriftsteller. Reisen Sie von Michal Ajvaz’ Prag über Kateřina Tučkovás Mähren bis nach Südböhmen, der Heimat Jiří Hájíčeks. Als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2026 steht Tschechien besonders im literarischen Rampenlicht – ein guter Anlass, ein Buch aufzuschlagen und selbst aufzubrechen.

KATEŘINA TUČKOVÁ: Brünn und die Schauplätze außergewöhnlicher Geschichten

Die in Brünn geborene Schriftstellerin Kateřina Tučková erhielt für ihren Roman Das Vermächtnis der Göttinnen (Žítkovské bohyně) den renommierten italienischen Literaturpreis Premio Libro d’Europa.

Mähren und die Schicksale von Menschen, deren Leben durch historische Umbrüche geprägt wurde, stehen im Mittelpunkt ihres Werks. Orte und Landschaften spielen dabei eine tragende Rolle. Der Roman Gerta. Das deutsche Mädchen (Vyhnání Gerty Schnirch) ist eng mit Brünn (Brno) und der gewaltsamen Vertreibung der dortigen deutschen Bevölkerung im Mai 1945 verbunden. Das Vermächtnis der Göttinnen führt in die Region Kopanice in den Weißen Karpaten, wo die Berglandschaft das Leben der Menschen seit Jahrhunderten prägt. Zum Roman Bílá Voda (Weißwasser) inspirierte sie das gleichnamige Dorf im Reichensteiner Gebirge (Rychlebské hory). Dort gab es ein Kloster, in dem tschechische Ordensfrauen interniert waren.

Tučková kehrt immer wieder an diese Orte zurück. Die Weißen Karpaten liebt sie wegen ihrer besonderen Atmosphäre, in der für sie die Geschichten der dortigen weisen Frauen bis heute nachklingen. Ins Reichensteiner Gebirge zieht es sie wegen der Schönheit der Berge und des Gefühls, hier „am Ende der Welt“ zu sein. Als Kunsthistorikerin faszinieren sie auch die Architektur und die Geschichten, die sich mit einem Ort verbinden. So haben es ihr etwa Marienbad (Mariánské Lázně) und Liberec angetan. Wenn sie Abstand vom Trubel der Städte sucht, fährt sie in die Region Vysočina oder in die tschechischen Grenzgebiete.

Ihre Reisetipps für Tschechien:

Brno
  • Brünn: Die als „mährisches Manchester“ bekannte Stadt ist ein bedeutendes Zentrum funktionalistischer Architektur und begeistert mit jungem Stadtleben und einer lebendigen Gastronomieszene. Dazu kommen einige der schönsten Weihnachtsmärkte Tschechiens.

  • Weiße Karpaten: Die Region an der tschechisch-slowakischen Grenze im Südosten Mährens ist bekannt für ihre malerische Landschaft, Orchideenwiesen und geheimnisvollen Geschichten.

  • Reichensteiner Gebirge: Eine ruhige, weniger bekannte Bergregion mit tiefen Wäldern nahe der polnischen Grenze.

  • Marienbad: Der Kurort mit seinen eleganten Kolonnaden gehört zum UNESCO-Welterbe. Zu seinen berühmten Gästen zählten Goethe, Chopin und Mark Twain.

  • Liberec: Eine Stadt mit einer vielschichtigen tschechisch-deutschen Geschichte, geprägt vom Neorenaissance-Rathaus und dem nahen Ještěd. Von hier aus lässt sich die Glasmacherregion mit ihrem faszinierenden Kristalltal erkunden.

  • Vysočina: Sanfte, bewaldete Hügel und schöne Städte wie Telč und Žďár nad Sázavou, deren bedeutende Baudenkmäler zum UNESCO-Welterbe zählen.

Ganz persönlich: Was verkörpert für Kateřina Tučková die tschechische Lebensart am besten? Überraschenderweise weder eine bestimmte Stadt noch eine Region, sondern die tschechische Kneipe. Die findet man ihrer Ansicht nach fast an jeder Ecke – und meist gibt es dort auch ein gutes tschechisches Bier.

MICHAL AJVAZ: Prags Geheimnissen und verborgenen Winkeln auf der Spur

Michal Ajvaz wurde in Prag geboren und lebt bis heute dort. Er wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter dem französischen Prix Utopiales Européen.

Seine Geschichten spielen in Städten auf der ganzen Welt. Prag nimmt in seinem Werk jedoch einen besonderen Platz ein. Wenn er eine Handlung in Tschechien ansiedelt, kehrt er immer wieder in diese Stadt zurück. Sie ist weit mehr als eine Kulisse: Mit ihren vertrauten Straßen, versteckten Winkeln und ihrer Atmosphäre verleiht sie seinen Geschichten eine ganz eigene Tiefe.

Wer die Welt seiner Bücher erkunden möchte, findet in Prag deshalb einen idealen Ausgangspunkt. Im Roman Die andere Stadt (Druhé město) verschmilzt das reale Prag mit einer geheimnisvollen „anderen“ Stadt. Die Geschichte führt unter anderem auf den Petřín, auf die Kleinseite, zur St.-Nikolaus-Kirche, ins Klementinum und auf den Altstädter Ring. Prázdné ulice (Leere Straßen) zeigt dagegen ein weniger bekanntes Prag: die Stadtränder und Bahnhöfe, aber auch Cafés und Villen. Gerade durch diese abgelegenen Winkel und äußeren Stadtviertel spaziert Ajvaz auch in seiner Freizeit gern.

Seine Reisetipps für Tschechien:

Prague

ALENA MORNŠTAJNOVÁ: Natur und weite Ausblicke in der Mährischen Walachei

Alena Mornštajnová wurde in Valašské Meziříčí in Ostmähren geboren. Sie gehört zu den meistgelesenen Autorinnen Tschechiens.

Ihre Romane greifen oft große historische Themen auf. Doch ebenso prägen konkrete Orte die Atmosphäre ihrer Geschichten. Besonders deutlich wird das in Hana, einem Roman, der in ihrer Heimatstadt Valašské Meziříčí spielt. Die Häuser am Stadtplatz, die umliegenden Straßen und vor allem die Bečva lassen die Welt der Erzählung lebendig werden. Die hügelige Mährische Walachei mit ihrer reichen Natur und ihren weiten Ausblicken ist für die Autorin ein Ort, an den sie nicht nur in ihren Büchern zurückkehrt.
Wer den Schauplätzen ihrer Romane nachspüren möchte, kann seine literarische Reise daher gut in Valašské Meziříčí beginnen.

Auch jenseits ihrer Bücher fühlt sich Mornštajnová der tschechischen Landschaft eng verbunden. Für Lesungen und Gespräche mit ihrem Publikum reist sie quer durch das Land. Scherzhaft meint sie, inzwischen vielleicht schon jede tschechische Stadt besucht zu haben. Am stärksten ziehen sie jedoch Orte an, die mit Kindheitserinnerungen verbunden sind – neben der Mährischen Walachei etwa auch Prag.

Ihre Reisetipps für Tschechien:

Rožnov

JIŘÍ HÁJÍČEK: Den romantischen Seiten Südböhmens auf der Spur

Jiří Hájíček wurde in České Budějovice (Budweis) in Südböhmen geboren.

Die Themen seiner Bücher sind eng mit Südböhmen verbunden, einer malerischen und an Kulturdenkmälern reichen Region, in der er lebt und aus der seine Vorfahren stammen. Auch nach Český Krumlov und in die Gegend der Vodňanská blata kehrt er immer wieder zurück. Er schätzt ihre besondere Atmosphäre und ihre reiche Geschichte. Eine weitere Verbindung zwischen seinem Werk und Südböhmen sind die Moldavite: Die Suche nach diesen grünen Steinen und die Welt ihrer Sammler inspirierten ihn zum Roman Zloději zelených koní (Diebe der grünen Pferde).

In seiner Freizeit erkundet er am liebsten das ländliche Tschechien. Neben der Landschaft begeistert ihn das sogenannte Bauernbarock, jene traditionelle Bauweise mit den charakteristischen verzierten Giebeln südböhmischer Dorfhäuser.

Seine Reisetipps für Tschechien:

Český Krumlov
  • Südböhmen: Ein Land der Teiche, Wälder, historischen Städte und malerischen Dörfer. Zu den Höhepunkten gehören die Altstadt von Třeboň, das Schloss Hluboká nad Vltavou, die Teichlandschaft um Třeboň mit dem Teich Svět sowie das einzigartige Dorf Holašovice mit seinen Bauernbarockhäusern.

  • České Budějovice: Die historische Altstadt beeindruckt mit einem der größten quadratischen Stadtplätze Tschechiens, dem Samsonbrunnen und dem Schwarzen Turm.

  • Český Krumlov: Eine der malerischsten Städte Tschechiens und UNESCO-Welterbe. Über der Altstadt erhebt sich die weitläufige Schlossanlage mit ihrem Barocktheater und herrlichen Blicken auf die Moldauschleifen.

  • Die Landschaft entlang der Moldau: Der Fluss entspringt im Böhmerwald und prägt den Charakter Südböhmens. Zu den lohnenden Zielen der weiteren Region zählen der Schwarze See (Černé jezero), der Lipno-Stausee, das Kloster Vyšší Brod und die malerischen Flusstäler, die bei Paddlern und Wanderern gleichermaßen beliebt sind.

MARKÉTA PILÁTOVÁ: Ins Altvatergebirge und nach Kroměříž und Velké Losiny

Markéta Pilátová wurde im mährischen Kroměříž geboren. Die tschechische Schriftstellerin, Journalistin, Übersetzerin und Hispanistin lebte zwölf Jahre in Argentinien und Brasilien.

Ihre Erfahrungen in Lateinamerika fließen ebenso in ihr Schreiben ein wie ihre tiefe Verbundenheit mit den tschechischen Bergen, insbesondere dem Altvatergebirge (Jeseníky). Eine besondere Inspirationsquelle ist Velké Losiny (Groß Ullersdorf), wo Berglandschaft, Geschichte und Geheimnisvolles aufeinandertreffen. Der dortige Kurort und seine faszinierende Vergangenheit schaffen eine Atmosphäre, die sie sowohl zum Leben als auch zum Schreiben als ideal empfindet.

Zu ihrer literarischen Landkarte gehört auch ihre Heimatstadt Kroměříž (Kremsier), die im Kinderbuch Kiko a tajemství papírového motýla vorkommt. Die Suche nach Geschichten führte sie nach Litomyšl und Javorník, wo das Schloss Jánský Vrch (Johannesberg) und die restaurierte Tanzhalle Tančírna im Krebsgrund ihre Fantasie anregten. Ebenso angetan sind ihr die Jugendstilvillen und die Landschaft rund um Šumperk, das als „lebhaftes Tor zum Altvatergebirge“ bekannt ist.

Ihre Reisetipps für Tschechien:

Velké Losiny
  • Altvatergebirge: Tiefe Wälder und eine eindrucksvolle Berglandschaft. Der Praděd (Altvater) ist der höchste Berg Mährens und Schlesiens. Rejvíz zählt zu den bedeutendsten Moorgebieten Mährens.

  • Beskiden: Malerische Bergkämme, Wälder und traditionelle Holzhäuser. Der höchste Gipfel, die Lysá hora, ist ein beliebtes Wanderziel mit weiten Ausblicken. Zu den bekanntesten Orten gehört Pustevny mit den unverwechselbaren Bauten von Dušan Jurkovič.

  • Velké Losiny: Der Kurort am Fuß des Altvatergebirges ist für seine Handpapiermühle bekannt, eine der ältesten noch arbeitenden Manufakturen dieser Art in Europa.

  • Litomyšl: Die Stadt besitzt ein UNESCO-geschütztes Renaissanceschloss und ist der Geburtsort des weltberühmten Komponisten Bedřich Smetana. Jedes Jahr findet hier das bedeutende Musikfestival Smetanova Litomyšl statt.

  • Kroměříž: Berühmt für sein prächtiges Schloss und den Schlossgarten und Blumengarten, die zum UNESCO-Welterbe gehören. In der Schlossgalerie ist das Gemälde Apollo und Marsyas von Tizian zu sehen.

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Tschechische Schriftsteller in der Weltliteratur

Tschechische Schriftsteller in der Weltliteratur

Sie gehören zu den größten Stars der Weltliteratur. Jeder von ihnen schrieb in einer anderen Zeit, widmete sich einem jeweils anderen Thema, und dennoch haben sie eines gemeinsam. Alle stammen aus Tschechien. Jaroslav Hašek, Franz Kafka, Milan Kundera, Bohumil Hrabal, Karel Čapek oder Jaroslav Rudiš. Sie alle, und viele andere, hinterließen ein gewaltiges Werk, welches weltweit in dutzende Sprachen übersetzt wurde. Begeben Sie sich mit uns auf Spurensuche.
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